Viele KMU tragen Währungsrisiko ungesichert

18. Januar 2022

Der Handel mit dem Ausland birgt fast für jedes Schweizer Unternehmen ein Währungsrisiko. Die Materialbestellung, aber auch der Verkauf der eigenen Produkte, ist Wechselkursschwankungen ausgeliefert. Dagegen kann man sich absichern.


Haben Sie bereits eine clevere Devisenstrategie für Ihr Unternehmen? Noch sichert sich der Grossteil der betroffenen KMU nicht gegen Währungsschwankungen ab – und spekuliert damit über die Zukunft. Die Raiffeisenbank Regio Frick-Mettauertal unterstützt Unternehmerinnen und Unternehmer bei der Suche nach der passenden Lösung für ihr individuelles Geschäft durch die gemeinsame Erarbeitung einer Devisenstrategie.


Schwankende Kurse

Die Schweizer Import- und Exportbranche weiss es nur zu gut: der Euro ist die wichtigste Fremdwährung für Schweizer KMU. Das Importvolumen der Schweiz beträgt rund 300 Milliarden (dabei machen Waren rund 200, Dienstleistungen weitere 100 Milliarden aus). Die jährlichen Exporte wiederum betragen 355 Milliarden (Waren für 233, Dienstleistungen für 122 Milliarden). Die europäische Einheitswährung jedoch erweist sich als empfindlich auf zahlreiche Einflüsse und erschwert daher aus Schweizer Sicht die Budgetierung. Zweitwichtigster Handelspartner der Schweiz ist die USA, und wie sich in der Vergangenheit zeigte, sind Import und Export ebenfalls fast unwägbaren Kriterien unterworfen Der Franken dagegen ist eine starke Währung, der sich auf eine gesunde Volkswirtschaft stützt. Vielen KMU dürfte die Aufhebung des Euro-Mindestkurses im Jahr 2015 in unguter Erinnerung sein. «Derart drastische Kursveränderungen sind zum Glück die Ausnahme», weiss Urs Gauch, als Mitglied der Geschäftsleitung von Raiffeisen Schweiz zuständig für Firmenkunden, «trotzdem tun international ausgerichtete Schweizer KMU gut daran, sich proaktiv mit den Devisenrisiken zu befassen.»


Devisenstrategie aufbauen

Für die Risikobetrachtung wird zuerst das Fremdwährungs-Exposure berechnet – sprich, der Zahlungsstrom, der dem Wechselkurs ausgesetzt ist. Eine mögliche Absicherung besteht im Hedging: damit lassen sich Zins-, Preis-, Kredit- oder Wechselkursrisiken im Zaum halten. Um ein Geschäft auch tatsächlich zum budgetierten Wechselkurs abzuschliessen, wird mit der Bank ein Devisentermingeschäft zum aktuellen Terminkurs vereinbart.


Individuelle Lösungen

Von den verschiedenen Devisengeschäften, die einem KMU zur Verfügung stehen, ist das Kassageschäft eines der wichtigsten:

In diesem klassischen Devisengeschäft (manchmal als «Spot» bezeichnet) wird eine Währung sofort in eine andere gewechselt. Diese Verrechnung (standardmässig innert zweier Arbeitstage) bietet freilich keine Kursabsicherung. Beim Termingeschäft hingegen werden Fremdwährungen auf einen künftigen Termin gewechselt. Betrag und Wechselkurs sind dabei verbindlich festgelegt, egal welche negativen Entwicklungen sich in der Zwischenzeit einstellen. Allerdings profitiert man damit auch nicht von einer möglichen positiven Entwicklung.


Noch fehlt das Bewusstsein

«Keine Devisenstrategie zu haben, kann ein Unternehmen viel Geld kosten», erklärt Raiffeisen-Experte Rosario Loria. Im Extremfall könne eine starke Veränderung des Wechselkurses ein Unternehmen in Bedrängnis bringen. «Ein Schweizer KMU sollte die mit Import und Export zusammenhängenden Risiken kennen», rät der Devisen-Spezialist von Raiffeisen Schweiz. 20 Prozent der exportorientierten Schweizer KMU sichern Wechselkurse bereits regelmässig über Termingeschäfte ab, in der Regel über einen Zeithorizont von bis zu 12 Monaten. Doch in vielen Fällen ist dieses Bewusstsein noch nicht vorhanden.


Devisengeschäfte im E-Banking

Raiffeisen-Kunden können Fremdwährungs-Transaktionen auch im E-Banking oder auf der Mobile-App durchführen, um so flexibel wie möglich agieren zu können. Der Zahlungsverkehr lässt sich im Fremdwährungskonto ohne Kursumrechnung abwickeln. Bei der Erfassung eines Devisenauftrags wird der Real-Time-Kurs angezeigt. Das Währungsangebot steht allen Kunden von Montag bis Freitag von 6 bis 22 Uhr zur Verfügung. Über E-Banking lassen sich Devisengeschäfte bis zum Gegenwert von 500’000 Schweizer Franken durchführen.

Ihr Firmenkundenberater bespricht gerne unverbindlich die geeignete Strategie und die Möglichkeit von Devisengeschäften mit Ihnen. Interessiert?

Praxisbeispiel
Beispiel eines Devisentermingeschäfts aus der Praxis eines Möbeldesigners:
Er importiert aus Frankreich Hölzer im Wert von 100’000 Euro. Die Bezahlung soll in vier Monaten erfolgen. Um Planungssicherheit für seine Kundenofferten zu haben, möchte er den aktuellen Kurs von 1.05 Franken auf den Zahlungszeitpunkt hin absichern. Dazu schliesst er mit seiner Bank ein Devisentermingeschäft zum Terminkurs von 1.05 Franken ab und hinterlegt die notwendige Marge von 10 Prozent des Grundgeschäftsvolumens bei seiner Bank. Unabhängig von der tatsächlichen Kursentwicklung liefert die Bank dem Möbeldesigner nach vier Monaten 100’000 Euro und belastet ihm dafür 105‘000 Franken. Liegt der tatsächliche Euro-Kurs zu diesem Zeitpunkt beispielsweise bei 1.08 Franken, konnte der Möbeldesigner einen Kursverlust von 3‘000 Franken vermeiden. Ist der Kurs unter 1.05 gesunken, wäre der Wechsel auf Kasse günstiger gewesen

Business Mann zeigt Kursverlauf auf Notebook

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