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Interview zur Abschaffung des Eigenmietwerts

30. Oktober 2026

Ab 2029 gelten neue Regeln für Wohneigentümerinnen und Wohneigentümer. Doch was bedeutet das für die eigene Hypothek, geplante Umbauten oder die persönliche Finanzplanung? Sascha Schärer, Teamleiter Hypocenter bei der Raiffeisenbank Regio Frick-Mettauertal, gibt Auskunft.

 

Herr Schärer, gibt es aktuell viele Fragen zur Abschaffung des Eigenmietwerts?

Sascha Schärer: Ja. Das Thema begegnet uns regelmässig in Beratungsgesprächen. Nach der Abstimmung war die Reform für viele noch weit weg. Je näher der Systemwechsel rückt, desto grösser wird das Interesse. Viele Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer möchten verstehen, was sich konkret für sie ändert und ob sie bereits heute handeln sollten.

 

Was raten Sie Eigentümerinnen und Eigentümern?

Hier ist es sicherlich ratsam, sich mit den Expertinnen und Experten der Hausbank zusammenzusetzen. Die Auswirkungen sind sehr individuell. Entscheidend sind Einkommen, Hypothek, Alter und Zustand der Liegenschaft sowie die persönlichen Zukunftspläne. Was für die eine Person die richtige Lösung ist, muss für die andere nicht zwingend passen. Deshalb lohnt sich eine individuelle Analyse statt pauschaler Empfehlungen. Wichtige Fragen sind beispielsweise: Möchte ich langfristig im Eigenheim wohnen? Sind grössere Investitionen geplant? Wie sieht meine Situation nach der Pensionierung aus? Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, lässt sich beurteilen, welche Schritte sinnvoll sind.

 

Viele Eigentümerinnen und Eigentümer denken darüber nach, ihre Hypothek zu amortisieren. Ist das sinnvoll?

Der Gedanke ist nachvollziehbar. Wenn die Schuldzinsen künftig für selbstbewohntes Wohneigentum grundsätzlich nicht mehr steuerlich abzugsfähig sind, erscheint eine Amortisation auf den ersten Blick attraktiv. Trotzdem gibt es darauf keine allgemeingültige Antwort. Wer Geld für eine Amortisation einsetzt, bindet Vermögen langfristig in der Immobilie. Dieses Kapital steht später für grössere Investitionen, die Pensionierung oder andere Wünsche nicht mehr ohne Weiteres zur Verfügung. Deshalb sollte nicht nur die Steuerersparnis betrachtet werden, sondern immer die
gesamte finanzielle Situation.

 

Wird mit der Reform die ganzheitliche Finanzplanung wichtiger?

Ja, absolut. Die Abschaffung des Eigenmietwerts betrifft viel mehr als die Steuererklärung. Themen wie Hypothek, Vorsorge, Vermögensaufbau, Pensionierung oder geplante Investitionen hängen eng zusammen. In vielen Fällen kann es beispielsweise sinnvoll sein, vorhandenes Kapital teilweise zu investieren, in die Vorsorge einzuzahlen oder für zukünftige Renovationen zurückzustellen, statt alles für eine Amortisation einzusetzen. Mit einer Finanzplanung lassen sich verschiedene Szenarien vergleichen und fundierte Entscheidungen treffen.

 

Viele Menschen fragen sich, ob sie mit Umbauten zuwarten oder rasch handeln sollen.

Wer ohnehin Sanierungsarbeiten plant, sollte die Übergangsfrist bis Ende 2028 unbedingt prüfen. Steuerlich kann das attraktiv sein, da die heutigen Abzugsmöglichkeiten bis dahin bestehen bleiben. Gleichzeitig sollten jedoch nicht nur Steuerfragen im Vordergrund stehen. Oft zählen Wohnkomfort, Energieeffizienz, tiefere Betriebskosten und der langfristige Werterhalt der Immobilie mindestens genauso stark. Wer ohnehin investieren möchte, sollte frühzeitig planen und genügend Zeit für Beratung, Offerten und die Umsetzung einrechnen.

 

Was empfehlen Sie Eigentümerinnen und Eigentümern älterer Häuser, die nicht wissen, wo sie beginnen sollen?

Viele Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer wissen, dass Investitionen anstehen, sind aber unsicher, welche Massnahmen sinnvoll sind. In solchen Fällen empfehle ich eine fundierte Analyse der Liegenschaft. Ein bewährtes Instrument dafür ist der GEAK® Plus. Er zeigt den energetischen Zustand eines Gebäudes auf und liefert konkrete Sanierungsvorschläge inklusive Kostenrahmen, Nutzen und möglicher Etappierungen. Dadurch entsteht eine solide Entscheidungsgrundlage für die nächsten Jahre. Für Hypothekarkundinnen und -kunden der Raiffeisenbank Regio Frick-Mettauertal bieten wir den GEAK® Plus bereits ab 250 Franken an.

 

Herr Schärer, noch ein letztes Wort?

Die Abschaffung des Eigenmietwerts ist kein Grund für überstürzte Entscheide. Nutzen Sie die nächsten Monate, um sich mit Ihrer Wohn-, Finanz- und Vorsorgesituation auseinanderzusetzen und bei Bedarf Fachpersonen beizuziehen. Wer seine persönliche Situation kennt, kann die Veränderungen ab 2029 gelassen angehen und fundierte Entscheidungen treffen. 

«Die beste Lösung hängt immer von der persönlichen Situation ab.»

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