Ein abbezahltes Eigenheim gibt Sicherheit – doch es bindet auch Vermögen. Wie viel davon sollte im Wohneigentum stecken? Und wie viel frei verfügbar sein, damit im Ruhestand genügend finanzieller Spielraum bleibt?
Viele Menschen ab 50 Jahren möchten ihre Hypothek bis zur Pensionierung reduzieren oder gar vollständig zurückzahlen. Denn weniger Schulden bedeuten tiefere Wohnkosten und damit eine geringere finanzielle Belastung. Doch diese Betrachtung greift zu kurz. Amortisation bedeutet, dass Vermögen von einem Ort an einen anderen geschoben wird. Das verändert die ganze Vermögensstruktur. Entsprechend wichtig ist es, nicht nur die Wohnkosten im Blick zu haben, sondern die finanzielle Gesamtsituation. Dazu gehört die Vermögensstruktur mit Eigenheim, Hypothek, Vorsorgeguthaben und freiem Vermögen ebenso wie das heutige und künftige Einkommen.
Die Hypothek ist mehr als nur eine Schuld
Die Hypothek ist nicht nur ein Finanzierungsmittel, sondern dient auch als Gestaltungsinstrument für die finanzielle Planung. Eine tiefere Verschuldung senkt die laufenden Wohnkosten und kann die Tragbarkeit verbessern. Bei einer höheren Hypothek bleibt hingegen mehr Vermögen ausserhalb des Eigenheims verfügbar – etwa als Reserve, für Anlagen oder für Ausgaben im Alltag.
Auch die Art und Weise, wie die Amortisation bezahlt wird, ist entscheidend. Wird Pensionskassenkapital eingesetzt, verringert sich das Vorsorgevermögen, was in der Regel zu tieferen Leistungen im Alter führt. Bei einer Finanzierung aus der Säule 3a oder aus freiem Vermögen bleiben die Pensionskassenleistungen unverändert, gleichzeitig steht dieses Geld aber nicht mehr für andere Zwecke zur Verfügung. Zudem entfallen mögliche Erträge aus Aktien, Obligationen oder anderen Anlagen, denn das Eigenheim generiert kein Einkommen. Ob eine Amortisation sinnvoll ist, hängt nicht nur von der Höhe der Hypothek und den Anforderungen an die Tragbarkeit ab. Entscheidend sind auch die verfügbaren Vermögenswerte, die Kosten der Hypothek und die Renditeerwartungen anderer Anlagemöglichkeiten.
Wie viel Amortisation braucht es?
Mit dem Ende des Erwerbslebens sinken in der Regel die Einkünfte. Damit wird die Tragbarkeit der Hypothek zu einer zentralen Frage der Vorsorgeplanung. Eine Finanzierung, die heute tragbar ist, kann im Ruhestand an ihre Grenzen stossen. Entscheidend ist deshalb, diese mit Blick auf das tiefere Einkommen nach der Pensionierung frühzeitig zu überprüfen.
Ist geklärt, welche Hypothekarhöhe langfristig tragbar ist, stellt sich die Frage: Wie viel muss tatsächlich amortisiert werden? Eine starke Amortisation senkt die Schulden und damit die laufenden Wohnkosten, bindet aber gleichzeitig mehr Vermögen im Eigenheim. Eine moderate Amortisation kann ausreichen, um die Finanzierung im Ruhestand sicherzustellen, während ein Teil des Vermögens flexibel verfügbar bleibt. Eine geringe oder fehlende Amortisation kann hingegen dazu führen, dass die finanzielle Belastung nach der Pensionierung aufgrund des tieferen Einkommens nicht mehr tragbar ist.
Die passende Lösung liegt deshalb nicht unbedingt in der maximalen Amortisation, sondern in der Balance zwischen Tragbarkeit, Liquidität und langfristigem Handlungsspielraum.
3 Tipps
Die Tragbarkeit verändert sich mit dem Einkommen und den Lebensumständen. Prüfen Sie frühzeitig, wie sich die Pensionierung oder andere Veränderungen der Einkommenssituation auf die Finanzierung auswirken.
Achten Sie darauf, jederzeit über genügend freies Vermögen zu verfügen. Liquiditätsreserven decken Unterhaltsarbeiten, Renovationen und unerwartete Ausgaben und sichern den finanziellen Spielraum.
Wohneigentum, Vorsorge, Vermögen und Steuern beeinflussen sich gegenseitig. Mit Blick auf die Pensionierung lohnt es sich für Sie, die finanzielle Situation in einer Finanzplanung ganzheitlich zu betrachten.