Wer über seine Finanzen Bescheid weiss, trifft bessere Entscheidungen

17. Juni 2022

Kürzlich las man in einer nationalen Tageszeitung, dass Frau und Herr Schweizer zu wenig über den Umgang mit Geld wissen. Mit diesem finanziellen Unwissen sind sie im internationalen Vergleich nicht allein. Wie verschiedene Auswertungen aber zeigen, geht finanzielles Unwissen ins Geld – sowohl auf persönlicher Ebene, aber auch volkswirtschaftlich gesehen. Dabei könnte jede und jeder Einzelne mit wenigen Massnahmen solche Kosten vermeiden oder zumindest reduzieren.


Wieviel Geld eine Person zum Zeitpunkt ihrer Pensionierung zur Verfügung hat, hängt nicht nur von der Höhe des Einkommens während des Berufslebens ab. Studien von Annamaria Lusardi, Pionierin in der Erforschung der Finanzkompetenz, zeigen, dass sich die finanzielle Situation von Menschen über das Leben hinweg sehr unterschiedlich entwickelt – und dies bei einem sehr ähnlichen sozialen, bildungsmässigen und wirtschaftlichen Hintergrund. Diese unterschiedliche Vermögensentwicklung hängt zu einem grossen Teil davon ab, wie viel Wissen jemand beim Verwalten des Geldes hat. Sprich: Bereits mit minimalem Finanzwissen entwickelt sich das eigene Vermögen über die Zeit besser. Zu einem ähnlichen Befund kommt das Raiffeisen Vorsorgebarometer: Je mehr eine Person weiss, desto eher kümmert sie sich um die eigene Altersvorsorge. Insofern ist erschreckend, dass das Finanzwissen in der Schweizer Bevölkerung seit Jahren auf tiefem Niveau verharrt. Insbesondere junge Erwachsene, Frauen sowie Menschen mit wenig Einkommen und geringer Ausbildung schätzen ihr Wissen eher tief ein. Es ist höchste Zeit, diesem Umstand mit wenigen, einfachen Tipps entgegenzutreten.


  1. Über Geld reden
    Finanzwissen beginnt zu Hause. Deshalb raten Fachleute Eltern, mit Kindern schon in jungen Jahren über Geld zu sprechen und ihnen bewusst den Umgang mit Geld zu lehren. Das Wichtigste, was man einem kleinen Kind über Geld beibringen können, ist die Gewohnheit, zu sparen. Aber auch der Umgang mit Taschengeld – nicht mehr auszugeben, als man einnimmt – ist elementar. Studien zeigen, dass die wenigen Schüler, die etwas von Finanzen verstehen, mehrheitlich aus Familien mit gutem wirtschaftlichem Hintergrund stammen Wenn zu Hause aber wenig Finanzwissen vorherrscht, wird es schwierig: Diese Menschen sind häufiger verschuldet und im Alter öfters auf Ergänzungsleistungen angewiesen. Zumindest teilweise Abhilfe schaffen könnte der Lehrplan 21, der Finanzwissen aufgenommen hat. Und wer schon aus den Kindesschuhen gewachsen ist, dem helfen Gespräche mit Freunden, Familie oder einem Berater, einer Beraterin. Denn sicher ist: Bleibt Geld ein Tabuthema, lernen wir nicht vom Austausch mit anderen.
  2. Die Finanzen selbst in die Hand nehmen
    Insbesondere Frauen in einer festen Partnerschaft kümmern sich weniger um ihre Finanzen und schätzen ihr Wissen als gering ein. Es ist allerdings nicht empfehlenswert, die Finanzen in fremde Hände zu übergeben, auch wenn es der Lebenspartner ist. In einem ersten Schritt sollte man sich einen Überblick über die persönliche finanzielle Situation verschaffen. Wie bin ich bei der Pensionierung aufgestellt? Was würde eine Scheidung, ein Teilzeitpensum oder Invalidität finanziell für mich bedeuten? Kann und möchte ich solche Einschränkungen tragen? Das sind Fragen, die sehr persönlich sind und deren Ausmass man nur selbst beantworten und einordnen kann. Hat man diese Fragen beantwortet, ist einem bewusst, wie sich Veränderungen auf die finanzielle Lage – heute und in Zukunft – auswirken. Dies wird die Entscheidungsfindung massgeblich beeinflussen. Und genau darum lässt sich die Verantwortung für die persönlichen Finanzen nicht delegieren.
  3. Frühzeitig Hilfe holen
    Wem die Komplexität der Finanzen über den Kopf wächst, dem mangelt es nicht an Informationsquellen: Von Lernplattformen über klassische Medien bis hin zu praktischen Rechentools hat man die Qual der Wahl. Weiterhin eine zuverlässige Anlaufstelle sind Beraterinnen und Berater, sei es von Banken, unabhängigen Vermögensverwaltern oder von Versicherern. Zusammen mit einer Fachperson kann eine persönliche Auslegeordnung gemacht werden, zudem wird man über verschiedene Optionen, aber auch Herausforderungen aufgeklärt. Aber: Achtung vor unseriösen und betrügerischen Beratungsangeboten! Speziell gefährdet dafür sind ältere Menschen. Vergleichsweise zu anderen Bevölkerungsgruppen verfügen sie über die grössten Vermögen. Damit sind sie laut Studien ideale Zielgruppe für Betrüger.
  4. Newskonsum ja, aber mit Bedacht
    Wer etwas lernen möchte, muss sich informieren. Dafür eignen sich, wie unter Punkt drei aufgeführt, unter anderem Lernplattformen, einschlägige Blogs und Zeitschriften, aber auch tagesaktuelle Medien. Dabei ist darauf zu achten, dass die Newsquellen vertrauenswürdig sind. Anlageentscheide sollten aber nicht 1:1 aus den aktuellen Nachrichten abgeleitet werden. Mehrere Studien zeigen, dass häufige Transaktionen unter anderem auf den Konsum der täglichen Nachrichtenflut zurückzuführen sind. Das Resultat: Schlechtere Performance aufgrund von Transaktionskosten und Prozyklizität. Dazu kommt, dass ein Grossteil der Nachrichten «bad news», also schlechte Nachrichten, sind. Deshalb raten Fachleute, sich beim Anlegen nicht von Emotionen leiten zu lassen und einen kühlen Kopf zu bewahren.
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