Sparschwein 2.0 – Investieren für die Enkelkinder

12. September 2022

Goldvreneli, Fondsparplan oder Gemälde: Viele Grosseltern hegen den Wunsch, ihren Enkelkindern mehr als einen Sparbatzen auf den Lebensweg mitzugeben. Was sollten Grosseltern dabei beachten?


Um es vorweg zu nehmen: Richtig oder falsch gibt es nicht, denn geschenkt wird mit guter Absicht, und das ist zentral. Trotzdem ist es sinnvoll, sich vorgängig einige Fragen zu stellen, um Enttäuschungen zu vermeiden. Welchen Zweck soll das Geschenk erfüllen? Von der Finanzierung einer Ausbildung über die Weltreise bis zu einem Zustupf für ein späteres Eigenheim ist vieles denkbar. Wann soll der Vermögenswert an die Enkel übergeben werden? Bei Geburt, zur Konfirmation oder bei Volljährigkeit?

Alternativen zum Sparkonto

Das (Geschenk-)Sparkonto erfüllt zwar seinen Zweck und ist der Einfachheit halber auch immer noch beliebt. Aber weil die Zinsen seit längerem im Keller sind und damit Sparguthaben keinen Ertrag mehr abwerfen, drängt sich das Thema Wertschriftensparen auf. «Wird das Geld nämlich erst zu einem zukünftigen Zeitpunkt verschenkt, ist die Grundvoraussetzung für einen Aktienfonds oder einen entsprechenden Sparplan gegeben, denn in diesem Fall verfügt man über einen langen Anlagehorizont. Dieser ist wichtig, um Schwankungen an den Aktienmärkten aussitzen zu können», erklärt Daniel Heutschi, Mitglieder der Bankleitung der Raiffeisenbank Regio Frick-Mettauertal.

Ein Fonds investiert in einen Korb von Aktien, zum Beispiel in die Mitglieder des Swiss Market Index (SMI), also die 20 grössten börsengehandelten Unternehmen der Schweiz. Das hat den Vorteil, dass die Risiken auf mehrere Titel verteilt werden, man aber von einer langfristig positiven Entwicklung profitieren kann. In den vergangenen 20 Jahren lag die Rendite des Schweizer Aktienmarktes im Schnitt bei rund acht Prozent pro Jahr, trotz Finanz-, Euro- oder Coronakrise.

Eine solche jährliche Rendite bedeutet, dass sich das Geld, dank des Zinseszinseffektes, innerhalb von neun Jahren verdoppelt, bis zur Volljährigkeit also vervierfacht. Legt man dem Enkelkind zur Geburt also 5'000 Franken in einen Schweizer Aktienfonds an, stehen die Chancen gut, dass man ihm zur Volljährigkeit 20'000 Franken übergeben kann.


Ein Zooeintritt als Dividende

Grosseltern, die immer wieder einen Batzen für die Nachkommen investieren möchten, bietet sich ein Fondssparplan an. Dabei wird regelmässig ein bestimmter Betrag in den entsprechenden Fonds investiert. «Anleger profitieren in diesem Fall von einem Durchschnittskurs und schalten Emotionen aus, da in jeder Marktphase gekauft wird», sagt Daniel Heutschi.

Obwohl mit Einzelaktien teilweise eine höhere Rendite erwirtschaftet werden kann, ist für einen «Enkelsparplan» davon abzuraten, denn die Pflege eines Aktienportfolios bedeutet einen gewissen Aufwand. Schliesslich kann ein heute erfolgreiches Unternehmen in rund 20 Jahren ganz anders aussehen. Ein breiter Index trägt diesen Veränderungen Rechnung. Eine Aktie, die guten Gewissens als Geschenk empfohlen werden kann, ist diejenige des Zürich Zoo, denn der oder die Beschenkte erhält als Dividende einen jährlichen Eintritt in den Zoo.


Zwischen Gold und Emotionen

Geld – ob auf dem Sparkonto oder in Form von Wertschriften – hat den Vorteil, dass es wenig emotionsbeladen ist und die Beschenkten selbst entscheiden können, wie sie dieses einsetzt. Dagegen verfügen Omas Diamantring, Grossvaters Luxusuhr, ein wertvolles Gemälde, eine Kiste Wein oder die Briefmarkensammlung neben einem finanziellen vor allem über einen emotionalen Wert.

Die zentrale Frage lautet, ob dieser von den Enkelkindern auch geschätzt wird. Gut möglich, dass sich die Enkeltochter nicht für Schmuck, Kunst oder die Briefmarkensammlung interessiert oder der Enkelsohn viel lieber ein neues iPhone hätte. «Solche Geschenke werden deshalb wohl mit Vorteil erst dann gemacht, wenn klar wird, ob auch der emotionale Wert anerkannt wird», empfiehlt Daniel Heutschi.

Eine Kombination aus Wertbeständigkeit und emotionalem Geschenk bieten das Goldvreneli oder ein physischer Goldbarren. Dass die Differenz zwischen An- und Verkaufskurs gerade bei kleineren Einheiten gross ist, spielt dabei oft eine untergeordnete Rolle. Vielmehr ist es ein Geschenk, dass Generationen überdauert und für anhaltenden Wert steht.

Grossvater mit seinen beiden Enkelkindern

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