Was tun bei steigenden Hypothekarzinsen?

28. Juli 2022

Die Zinsen für Festhypotheken sind seit Anfang Jahr deutlich gestiegen. Mit dem jüngst erfolgten ersten Zinsschritt der Schweizerischen Nationalbank (SNB) rückt das Ende des Negativzinsregimes und damit auch der rekordgünstigen Gelmarkthypotheken in greifbare Nähe. Für künftige Eigenheimkäufer und bestehende Hypothekarnehmer stellt sich die Frage: Wie soll ich mich bei dieser Zinswende verhalten?


Die Richtsätze für Festhypotheken sind seit Ende des letzten Jahres markant nach oben geschossen und haben das höchste Niveau seit über zehn Jahren erreicht. Die Finanzmärkte haben damit die von der SNB nun eingeleitete Zinswende schon länger vorweggenommen. So weisen beispielsweise zehnjährige Schweizer Staatsanleihen schon seit Anfang 2022 wieder positive Verfallsrenditen auf.

Der Grund für die teurer gewordene Hypotheken liegt an der weltweit aufgekommenen höheren Inflation. Auch in der Schweiz ist die Teuerung zuletzt über das SNB-Zielband angestiegen. Zwar liegen die Inflationsraten in der Schweiz im internationalen Vergleich auf tiefem Niveau, aber mit ihrem Zinsentscheid signalisiert die SNB ihre Entschlossenheit, ihren Auftrag für Preisstabilität zu sorgen, entschieden umsetzen zu wollen. Damit will sie auch hierzulande möglicherweise weiter aufkommende Erwartungen von aus dem Ruder laufenden Preisen im Keim ersticken.


Risikobereitschaft ist mitentscheidend

Der Zinsanstieg betrifft, zumindest indirekt, all jene Personen, die zwecks Kaufs einer Immobilie eine Hypothek abschliessen oder eine auslaufende verlängern müssen. Die Wahl des passenden Finanzierungsmodell verunsichert viele Hypothekarnehmer im derzeit herrschenden Zinsumfeld besonders. Soll nun eine SARON-Hypothek oder eine Festhypothek abgeschlossen werden? Zur Beantwortung dieser Frage ist derzeit mehr denn je eine Auseinandersetzung mit dem Marktumfeld und die Ermittlung der eigenen Risikobereitschaft notwendig.

Die überwiegende Mehrheit der Schweizer Haus- und Wohnungsbesitzer setzt bei der Wahl der Finanzierung bisher auf Sicherheit und damit einen ruhigen Schlaf. Entsprechend entfällt über 80 Prozent des ausstehenden Hypothekarvolumens in der Schweiz auf Festhypotheken. Mit Festhypotheken ist man während der Laufzeit gegen Zinsänderungen abgesichert. Diese Sicherheit hat aber ihren Preis, sie ist eine Art Versicherungsprämie. In der Regel fährt man mit einer Geldmarkthypothek über die Gesamte Laufzeit gerechnet günstiger. Das zeigt sowohl der Blick in die Vergangenheit wie auch derjenige auf die Erwartungen der Finanzmärkte.


SARON-Hypothek unverändert günstig

Im Unterschied zu Festhypotheken sind SARON-Hypotheken derzeit noch unverändert günstig zu haben. Erst wenn der SNB-Leitzins wieder positiv wird, ist ein Anstieg der Zinsen bei SARON-Finanzierungen zu erwarten. Damit SARON-Hypotheken teurer werden als längerfristige Festhypotheken müssten aber noch einige Zinsschritte der Nationalbank erfolgen.

Mit welcher Finanzierung man aktuell tatsächlich günstiger fährt, hängt schlussendlich aber von der tatsächlichen künftigen Zinsentwicklung ab. Und dies ist nur schwer vorauszusehen. Grundsätzlich gilt, wer mit nur moderat steigenden Zinsen rechnet, der fährt künftig mit einer SARON-Hypothek besser. Wer hingegen von einer sehr schnellen, sehr starken und anhaltenden Zinserhöhung durch die Notenbank ausgeht, der sollte eine Festhypothek abschliessen.

Letztlich hängt der Entscheid aber vor allem von der persönlichen Risikobereitschaft und dem finanziellen Spielraum des Kreditnehmers ab. Der Preis für einen guten Schlaf ist durch den Anstieg der Langfristzinsen deutlich gestiegen, sodass sich viele zweimal überlegen werden, ob sie die Versicherung, die eine Festhypothek bietet, noch abschliessen möchten. Bei Hypotheken ist ein Mix verschiedener Modelle und Laufzeiten weiterhin möglich, womit Zinsrisiken diversifiziert werden können.


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